Gesundheit des Menschen

Schimmelbefall kann zum einen zu Flecken, Geruchsbelästigungen und Materialschäden führen, zum anderen kann er durch die Abgabe von Sporen, mikrobiellen Stoffen und Zellfragmenten auch zu gesundheitlichen Problemen bei den Raumnutzern führen.

Es ist zu beachten, dass länger andauernde oder periodisch auftretende Feuchte in Innenräumen auch ohne sichtbares Schimmelwachstum mit einem erhöhten Risiko einer Erkrankung der Atmungsorgane, einer Atemwegsinfektion oder der Verstärkung einer vorhandenen Asthmaerkrankung einhergeht. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass in Räumen, die andauernd feucht sind, mit hoher Wahrscheinlichkeit verdeckter Schimmelbefall vorhanden ist.

Tabelle 6 gibt einen Überblick über die Zusammenhänge von Feuchte/Schimmelbefall und gesundheitlichen Beschwerden (nicht angeführt sind allergische Reaktionen, die in Kapitel 2.1 behandelt werden).

Zusammenhang mit Feuchte/SchimmelbefallGesundheitliche Beschwerden
ausreichende Hinweise für einen ursächlichen (kausalen) ZusammenhangVerschlimmerung und Verstärkung der Symptome einer bestehenden Asthmaerkrankung bei Kindern
ausreichende Hinweise für einen Zusammenhang (Daten lassen Zusammenhang als wahrscheinlich erscheinen)• Verschlimmerung und Verstärkung der Symptome einer bestehenden Asthmaerkrankung
• Symptome der oberen Atemwege
• Husten
• keuchende Atemgeräusche
• Entwicklung einer Asthmaerkrankung
• Atemnot
• aktuell bestehendes Asthma
• Atemwegsinfektionen
begrenzte Hinweise für einen Zusammenhang
(Daten lassen Zusammenhang als möglich, aber nicht gesichert erscheinen)
• Vorkommen von Bronchitis
• Vorliegen von Symptomen des allergischen Schnupfens (Heuschnupfen)
unzureichende Hinweise für einen Zusammenhang (Daten wurden geprüft, sind aber nicht ausreichend, um einen Zusammenhang zu belegen)• veränderte Lungenfunktion
• Auftreten einer Allergie oder Atopie
• Auftreten von Asthma jemals im gesamten Leben (muss nicht aktuell vorliegen und Symptome verursachen)

Von Nutzern von Räumen mit Feuchteschäden und Schimmelbefall werden auch unspezifische Symptome wie Augenbindehaut-, Hals- und Nasenschleimhautreizungen sowie Husten, Kopfschmerzen oder Müdigkeit genannt. Augenbindehaut- oder Nasenschleimhautreizungen können sowohl im Zusammenhang mit allergischen als auch mit reizenden Wirkungen stehen; die anderen Symptome werden vor allem mit reizenden Wirkungen in Verbindung gebracht.

Wissenschaftlich abgesicherte Aussagen über eine Dosis-Wirkungsbeziehung zwischen einer Exposition gegenüber Schimmel in Innenräumen und gesundheitlichen Beschwerden der Bewohner sind derzeit nicht möglich. Dies liegt darin begründet, dass die Exposition gegenüber Schimmel in bevölkerungsbezogenen Studien meist nur qualitativ anhand weniger Indikatoren wie z.B. sichtbarer Feuchte, bekanntem Wasserschaden, sichtbarem Schimmel oder Schimmelgeruch erfasst wurde. Bei den vorliegenden quantitativen Messungen wurden nur wenige Schimmelpilzarten bestimmt, andere Einflussgrößen wie (Aktino-) Bakterien, Milben, Zellbestandteile und biogene Substanzen wie bspw. Endotoxine, Mykotoxine, MVOC oder pathogen assoziierte molekulare Muster (PAMP) blieben meist unberücksichtigt, obwohl sie ebenfalls zu gesundheitlichen Problemen beitragen können.

Feuchte und Schimmelbefall in Innenräumen sind mit einem erhöhten Risiko für Atemwegserkrankungen sowie für eine Entwicklung und Verschlimmerung von Asthmasymptomen bei den Raumnutzern verbunden.

Im Einzelfall (Patient) ist es nicht möglich, gesundheitliche Wirkungen ursächlich auf den Schimmelbefall in einem bestimmten Innenraum zurückzuführen (Ausnahme Allergien), da prinzipiell eine Vielzahl von Ursachen für die jeweilige Erkrankung und eine Sensibilisierung verantwortlich sein kann.

Mehr Informationen dazu:
BMNT (2019): Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden

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